Die Rasse  

Hollandse Herder Kurzhaar

Früher galt die Hauptsorge der Schäfer dem Schutz der Herden vor wilden Tieren und vor Menschen. Bevor es Herden gab, hatten Hunde wahrscheinlich bei der Jagd und beim Bewachen der Biwaks mitgeholfen, hatten sich durch Mut, Intelligenz und Kampffreude ausgezeichnet. Und darum vielleicht versuchten die Schäfer, Hunde beim Hüten der Herden einzusetzen. Dafür benötigten Sie einen starken und schnellen Hund. Er mußte ausdauernd sein auf langen Märschen, unempfindlich gegen alle Unbilden der Witterung.

Auch in Holland, wo die Schafzucht ziemlich wichtig war, gibt es eigene Schäferhund-Rassen. Ihre anatomischen Merkmale sind den nahen Belgischen Schäferhunden recht ähnlich, stammen beide Rassen doch aus der gleichen Region. Nachdem Belgien sich im 19. Jahrhundert von den Niederlanden trennte, teilte die Grenze auch die bis dahin einheitliche Gebrauchshundepopulation auf, ohne dass diese sich wesentlich veränderte, da die Ansprüche an die Hunde die gleichen blieben. Erst 1960 wurde der Hollandse Herder von der FCI anerkannt.

Die Anforderungen an einen Hund bestimmen seine Morphologie und sein Wesen. Zumindest galt dies ganz allgemein für den Ursprung einer jeden Hunderasse. Und dass etwa ein Schäferhund in einer hügeligen oder gar gebirgigen Region anders beschaffen sein muss als auf einer kargen Insel mit eisigen Winden oder in einem flachen weiten Land gemäßigten Klimas, ist daher einsichtig. So wurden zum Hüten der Schafe in Deutschland andere Hunde gebraucht als etwa auf den Shetland Inseln oder in den weiten, damals kaum eingezäunten Weideflächen Hollands. Auf der flachen Heidelandschaft konnten die Schafe viel schneller sein als im Gebirge. Daher mussten auch die Holländischen Schäferhunde wohl schneller und wendiger sein als dies etwa bei einem Deutschen Schäferhund nötig war.

Hollandse Herder Kurzhaar

Dass aber auch in Hinblick auf Wesen und Temperament eine sehr viel raschere Reaktion erforderlich war, um Schafe zu hüten, denen die ganze weite Ebene zur Verfügung stand, liegt auf der Hand. Andererseits aber waren ja die Unterschiede der Deutschen, Belgischen und Holländischen Schäferhunde im 19. Jahrhundert keineswegs so ausgeprägt wie heute. Vor allem der Deutsche Schäferhund verfügte damals noch über einen gesunden geraden Rücken und war auch sonst sehr viel robuster und temperamentvoller als jetzt.

Grundlegende Informationen über eine Hunderasse findet man im „Rassestandard“, der die Bestimmungen festlegt, wie ein Hund zu sein hat, soll er „rassetypisch“ sein. So erfahren wir im Standard (FCI-Standard Nr. 223), dass der Holländische Schäferhund (Hollandse Herdershond) zu den Hüte- und Treibhunden gehört, und dass es ihn aufgrund seines unterschiedlichen Haarkleides in 3 Varietäten gibt: Kurz-, Rauh- und Langhaar. Kurz- und Langhaarige Herder sind gold- und silbergestromt – von sehr hell über mittel bis sehr dunkel. Rauhhaarige sind neben gold- und silbergestromt auch blaugrau oder pfeffer- und salzfarben. Die Ohren der Hunde sind groß und aufrecht stehend sowie sehr beweglich.

Der mittelgroße Hund (Widerristhöhe für Rüden 57 – 62 cm, für Hündinnen 55 – 60 cm) soll mit den Eigenschaften eines echten Schäferhundes ausgestattet sein.

Hollandse Herder Kurzhaar

Vom Zuchtverband wird der Charakter des Hollandse Herdershond folgendermaßen beschrieben: „der typische Hund soll anhänglich und folgsam sein, wachsam, natürlich arbeitsfreudig, dabei anspruchslos und von großer Ausdauer“. Im Vergleich zum Belgischen Schäferhund soll die Rasse toleranter gegenüber Artgenossen sein. Mit dem Belgier gemeinsam hat er seine Sensibilität, eine harte Hand verträgt er nicht.

Der Kurzhaar ist der Arbeitshund, der sehr ernsthaft und temperamentvoll, aber auch konzentriert bei der Sache ist. Der Rauhaar ist der aktivste und der anhänglichste, aber im Junghundalter auch der anstrengendste seiner Art. Sein verspieltes, bewegungsfreudiges, jugendliches Benehmen behält er etwas länger bei und möchte in dieser Zeit aber auch jede Minute um seinen Herren freudig herumspringen können. Er zeigt dabei genau, was er mit Begeisterung für seinen „Zweibeiner“ tun möchte. Daher ist er manchmal zu übereifrig und schnell. Der Langhaar ist durch seine gezeichnete Fellpracht optisch sehr schön und ähnelt hierdurch in seinem äußeren Erscheinungsbild auch leicht dem des Wolfes. Da sich sein Fellpflegeaufwand sehr in Grenzen hält, ist auch er ein angenehmer Hausgenosse. Er ist etwas ruhiger, ausgeglichener, gelassener und genügsamer in seiner Art, hierdurch auch etwas weniger fordernd, aber die Leistung erbringt er mit gleichem Eifer und Temperament.

Heute werden die Holländischen Schäferhunde neben den herkömmlichen Arbeiten als Hütehund, auch als Begleit-, Dienst-, Sport-, Rettungs- und Therapiehund eingesetzt.

Der Holländische Schäferhund war nie ein Modehund. Das hat der Rasse gut getan. Er verkörpert noch stark den Typ des ursprünglichen Hütehundes. Ein umzäunter Garten und kurzes Gassigehen reichen für diesen aktiven, unternehmungslustigen und wetterfesten Hund nicht aus. Dagegen eignet er sich vorzüglich für Leute, die mit ihrem Vierbeiner arbeiten wollen. Dank seiner Vielseitigkeit und seines Lerneifers bewährt er sich in fast allen Hundesportarten. Die weitaus meisten Vertreter dieser Rasse leben jedoch als Familienhunde, wobei ihr natürlicher, aber nicht übertriebener Schutztrieb sie zu guten Wächtern von Haus und Hof macht. Alle Holländer sind ziemlich robuste und gesunde Hunde, die ohne weiteres ein Alter von 12 bis 15 Jahren erreichen.

Der große Schweizer Kynologe Hans Räber, meint in seiner „Enzyklopädie der Rassehunde“ (Kosmos Verlag) über die Holländischen Schäferhunde, dass sie aufgrund der Dominanz der Deutschen Schäferhunde völlig zu Unrecht die Stiefkinder der internationalen Kynologie seien. Räber erklärt: „Zu Unrecht deshalb, weil sie in Bezug auf körperliche Robustheit und Gebrauchseigenschaften weder den Belgischen noch den Deutschen Schäferhunden nachstehen.“